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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
123
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Critik der aschetischen Urtheilökraft. 12z

genannt werden kann. Romane, weinerliche Schauspiele,schaale Sittenvorschriften, die mit (obzwar fälschlich) soge-nannten edlen Gesinnungen tändeln, in der That aber dasHerz welk, und für die strenge Vorschrift der Pflicht unem-pfindlich, aller Achtung für die Würde der Menschheit inunserer Person und das Recht der Menschen (welches ganzciwaS anderes als ihre Glückseligkeit ist), und überhauptaller festen Grundsätze unfähig machen; selbst ein Neligions»vorcrag, welcher kriechende, niedrige Gunstbewerbung undEinschmeichelung empfiehlt, die alles Vertrauen auf eigenesVermögen zum Widerstande gegen das Böse in uus aufgiebt,statt der rüstigen Entschlossenheit, die Kräfte, die uns beyaller unserer Gebrechlichkeit doch noch übrig bleiben, zu Über-windung der Neigungen zu versuchen; die falsche Demuth,welche in der Selbstverachtung, in der winselnden erhewchcltcn Neue, und einer bloß leibenden Gemüthsfassung dieArt setzt, wie man allein dem höchsten Wesen gefällig wer,den könne: vertragen sich nicht einmal mit dem, was zurSchönheit, weit weniger aber noch mit dem, was zur Erha-benheit der Gemüthsart gezählt werden könnte.

Aber auch stürmische Gemüthsbewegungen, sie möge»nun, unter dem Namen der Erbauung, mit Zdecn der Ne,ligion, oder als bloß zur Cultur gehörig, mitZdeen die eingesellschaftliches Interesse enthalten, verbunden werden,können, so sehr sie auch die Einbildungskraft spannen, ket,neswcges auf die Ehre einer erhabenen Darstellung An-spruch machen, wenn sie nicht eine Gemüthsstimmung zu-rücklassn, die, wenn gleich nur indirect, auf das Bewußt,seyn seiner Stärke und Entschlossenheit zu dem, was reinetntellecuielle Zweckmäßigkeit bey sich führt (dein Übersinn,liehen), Einfluß hat. Denn sonst gehören alle diese Nüh,rungen nur zur Motion, welche man der Gesundheit wegen