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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Erster Theil.

gerne hat. Die angenehme Mattigkeit, welche aus einesolche Rüttelung durch das Spiel der Affeccen folgt, ist einGenuß des Wohlbefindens aus dem hergestellten Gleichgc,Wichte der mancherley Lebenskräfte tn uns: welcher am Endeauf dasselbe hinausläuft, als derjenige, den die Wollüstlingedes O-ienls so behaglich finden, wenn sie ihren Körpergleichsam durchkneten, und alle ihre Muskeln und Gelenkesanft drücken und biegen lassen; nur daß dort das bewegendePrincip größtemhells tn uns, hier hingegen ganzlich außeruns ist. Da glaubt siel? nun mancher durch ciue Predlgcerbaut, indem doch nichts aufgebauet (kein System guterMarimen) ist; oder durch ein Trauerspiel gebessert, derbloß über glücklich Vertrie bne Langeweile froh ist. Also mußdas Erhabene jederzeit Beziehung auf die Deni'ungsarthaben, d. i. auf Maximen, dem .Jntcllectuellcn und den Ver-miufndem über die Sinnlichkeit Obermacht zu verschaffen.

Man darf nicht besorgen, daß da» Gefühl des Erhabe-nen durch eine dergleichen abg.'jogene Darstellungsart, dietu Ansehung des Sinnlichen gänzlich negativ wird, verlierenwerde; denn die Einbildungskraft, ob sie zwar über daSSinnliche hinaus nichts findet, woran sie sich halten kann,fühlt sich doch auch eben durch diese Wegschassung der Schran-ken derselben unbegrenzt: und jene Absonderung ist also eineDarstellung des Unendlichen, welche zwar eben darum nie-mals anders als bloß negative Darstellung seyn kann, dieober doch die Seele erweitert. Vielleicht giebt es keine erha,dzucre Stelle im Gesetzbuche der Juden, als das Gebot:Du sollst dir kein Blldniß machen, noch irgend ein Elcichniß,weder dessen was lm Himmel, noch auf der Erdcu, nochunter der Erden ist u, s.w. Dieses Gebot allein kann den En-rhusiasm erklären, den das jüdische Voik in seiner gesittetenPeriode für seine Religion fühlte, wenn es sich mit andern