Critik der ästhetischen Urtheilekraft. 125
Völkern verglich, oder denjenigen Stolz, den der Moham-medanism einflößt. Eben dasselbe gilt auch von der Vor-stellung des moralischen Gesetzes und der Anlage zur Mora-lität in uns. Ee ist eine ganz irrige Besvrgniß, daß, wennman sie alles dessen beraubt was sie den Sinnen empfehlenkann, sie alsdann keine andere als kalte leb'loie Billigung,und keine bewegende Kraft oder Rührung bey sich führenwürde. Es ist gerade nmqekebrc; denn da, wo nuu dieSinne nichts mehr vor sich sehen, und die unverkennliche undunauslöschliche Zdee der Sittlichkeit dennoch , übrig bleibt,würde es eher nöthig seyn, den Schwung einer unbegränmnEinbildungskraft zu müßigen, um ihn nicht bis zum Emhu,siasm steigen zu lassen, als, aus Furcht vor Kraftlosigkeitdieser Ideen, für sie in Bildern und kindischem ApparatHülse zu suchen. Daher haben auch Regierungen gerne er-laubt, die Religion mit dem letztern Zubehör reichlich ver,sorgen zu lassen, und so dem Unterthan die Mühe, zugleichaber auch das Vermögen zu benehmen gesucht, seine Sec-lenkräfte über die Schranken auszudehnen, die man ihmwillkürlich setzen, und wodurch man ihn, als bloß passiv,leichter behandeln kann.
Diese reine, seelenerhebende, bloß negative Darstellungder Sittlichkeit, bringt dagegen keine Gefahr der Schroar-merey, welche ein N)ahn ist, über alle Gränze derSinnlichkeit hinaus etwas sehen, d, i> nach Grundsä-tzen träumen (mit Vernunft rasen) zu rvoücn; eben darum,weil die Darstellung bey jener bloß negativ ist. Denn dieUnerforschlichkeit der Idee der Freyheit schneidet allerpositwen Darstellung gänzlich den Weg ab; das moralischeGesetz aber ist an sich selbst in »ns hinreichend und ursprüng-lich bestimmend, so daß es nicht einmal erlaubt, uns nacheinem Bestlmmungsgrunde außer demselben umzusehen.