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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
126
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I 26

Erster Theil.

Weun der Enthusiasm mit dem Wahnsinn, so ist dieSchwärmern) mit dem TVahnwiy zn vergleichen, wovonder letztere sich unter allen am wenigsten mit dem Erhabenenvenragt, weil er grüblerisch lächerlich ist. Zm Enthusiasm,als Assect, ist die Einbildungskraft zügellos; in der Schwär-merei), als eingewurzelter brütender Leidenschaft, regellos.Der erstere ist vorübergehender Zufall, der den gesundestenVerstand bisweilen wohl bettift; der zweyte eine Krankheit,die ihn zerrüttet.

Einfalt (kunstlose Zweckmäßigkeit) ist gleichsam derStil der Natur im Erhabenen, und so auch der Sittlich-keit, welche eine zweyte (übersinnliche) Natur ist, wovonwir nur die Gesetze kennen, ohne das übersinnliche Vermö-gen in uns, selbst was den Grund dieser Gesetzgebung ent,halt, durch Anschauen erreichen zu können.

Noch ist anzumerken, daß, obgleich das Wohlgefallenam Schönen eben sowohl, als das am Erhabenen, nichtallein durch allgemeine Mittheilbarr'eit unter den andernästhetischen Beurtheilungen kenntlich unterschieden ist, sondernauch durch diese Eigenschaft, in Beziehung auf Gesellschaft (inder es sich mittheilen läßt), ein Znteresse bekommt, gleich-wohl doch auch die Absonderung von aller Gesellschaftals etwas Erhabenes angesehen werde, wenn sie auf Idee»beruht, welche über alles sinnliche Znteresse hinweg sehen.Sich selbst genug seyn, mithin Gesellschaft »licht bedür-fen, ohne doch ungesellig zu seyn, d. i. sie zu fliehen, ist et»was dem Erhabenen sich Näherndes, so wie jede Überhe,bnng von Bedürfnisse». Dagegen ist Menschen zu fliehen,aus Misanthropie, weil man sie anfeindet, oder ausAnthropophobie (Menschenscheu), weil man sie als seineFeinde fürchtet, theils häßlich, theils verächtlich. Gleich,wohl giebt es eine (sehr uncigentlich sogenannte) Misan-