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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
127
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Critik der ästhetischen Urtheilskrast. 127

thropie, wozu die Anlage sich mir dem Alter i» vieler wohl,denkenden Mensche» Gemüth cinznfindcn pflegt, welchezwar, was das Wohlwollen betrift, philanthropisch genugist, aber vom Wohlgefallen an Menschen durch eine langetraurige Erfahrung weil abgebracht ist: wovon der Hangzur Eingezogcnheit, der phantastische Wunsch auf einem eilt,legenen Landsitze, oder auch (bey jungen Personen) die er,träumte Glückseligkeit auf einem der übrigen Welt unbe»kannten Eyiande, mit einer kleinen Familie, seine Lebens,zeit zubringen zu können, welche die Nomanschreiber, oderDichter der Robinsonaden, so gnt zu nutzen wissen, Zeug» giebt. Falschheit, Undankbarkeit, Ungerechtigkeit, dasKindische in den von uns selbst für wichtig und groß gehal-tenen Zwecken, in deren Verfolgung sich Menschen selbstunter einander alle erdenkliche Übel anthun, stehen mir derIdee dessen, was sie seyn könnten, wenn sie wollten, >o imWiderspruch, und sind dem lebhasten Wunsche, sie besser zusehen, so sehr entgegen: daß, um sie nicht zu hassen, daman sie nicht lieben kann, die Verzichtrhunng auf alle ge-sellschaftliche Freuden nur ein kleines Opfer zu seyn scheint.Diese Traurigkeit, nicht über die Übel, welche das Schick,sal über andere Menschen verhängt (wovon die SympathieUrsache ist), sondern die sie sich selbst anthun (welche aufder Antipathie in Grundsätzen berühr), ist, weil sie aufIdeen beruht, erhaben, indessen dnß die erstere allenfallsnur für schön gelten kann. Der eben so geistreiche alsgründliche Sanssure sagt in der Beschreibung >einer Al<penreisen von Donhomme, einem der Savoyischen Ge-birge:es herrscht daselbst eine gewisse abgeschmackteTraurigkeit." Er kannte daher doch auch eine interessanteTraurigkeit, welche der Anblick einer Einöde einflößt, t» diesich Menschen wohl versetzen möchten, um von der Welt