Critik der ästhetischen Urthcilskraft. 129
von wohlgefälligem Schauer, eine gewisse Ruhe, die mitSchrecken vermischt ist." Das Schöne, welches er auf Lie,be gründet (wovon er doch die Begierde abgesondert wissenwill), führt er (S. 251— 25:) auf „die Nacl'l ssung, LoS-svannung und Erschlaffung der Fibern des Körpers, mithineine Erweichung, Auflösung, Ermattung, ein Hinsinken, Hin-sterben, Wegschmelzen vor Vergnügen/' hinaus. Und nunbestätigt er diese Erklärnngeart nicht allein durch Fälle, indenen die Einbildungskraft in Verbindung mit dem Ver-stände, sondern sogar mit Sinnesempfiiidung, in uns dasGefühl des Schönen sowohl als des Erhabenen erregenkönne. — Als psychologische Bemerkungen sind diese Zer-gliederungen der Phänomene unsers Gemüths überaus schön,und geben reichen Stoff zu den beliebtesten Nachforschun-gen der empirischen Anthropologie. Es ist auch nicht zuläugnen,, daß alle Vorstellungen in uns, sie mögen objectivbloß sinnlich, oder ganz intellecruell seyn, doch subjecttv mitVergnügen oder Schmerz, so unmerklich beides auch seynmag, verbunden werden können (weil sie insgesammt dasGefühl des Lebens afficiren, und keine derselben, sofern alssie Modifieacion des Subjcets ist, indifferent seyn kann);sogar, daß, wie Eptkur behauptete, immer Vergnügen undSchmerz zuletzt doch körperlich sey, es mag nun von derEinbildung, oder gar von Verstandesvorstellnngen anfan-gen: weil das Leben ohne Gefühl des körperlichen Organsbloß Bewußtseyn seiner Existenz, aber kein Gesühl desWohl - oder Übelbefindcns, d. i. der Beförderung ooerHcm-mung der Lebenskräfte, sey; weil das Gemüth für sichallein ganz Leben (das Lcbenspnneip selbst) ist, und Hin-dernisse oder Beförderungen au>!er demselben und doch imMenschen selbst, mithin in der Verbindung mit seinem
Körper, gesucht werben müssen.
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Rams Lrit. d. llrchciler'r. I