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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
136
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iz6 Erster Theil.

characteristischen Eigenschaften des Geschmacks zuvor,durch Beyspiele erläutert, vorstellig machen»

§. Z2.

Erste Eigenthümlichkeit des Geschmacks-urthcils.

Das Geschmacksurtheil bestimmt seinen Gegen«stand in Ansehung des Wohlgefallens (als Schönheit)mit einem Ansprüche auf icdetMalMö Beysiimmung,als ob es objectiv wäre.

Sagen: diese Blume ist schön, heißt eben so viel,als ihren eigenen Anspruch auf jedermanns Wohlge-fallen ihr mir nachsagen. Durch die Annehmlichkeitihres Geruchs hat sie gar keine Ansprüche. Den Einenergötzt dieser Geruch, dem Andern benimmt er den Kopf.Was sollte man nun anders daraus vermuthen, als daßdie Schönheit für eine Eigenschaft der Blume selbst ge-halten werden müsse, die sich nicht nach der Verschieden-heit der Köpfe und so vieler Sinne richtet, sondern wor-nach sich diese richten müssen, wenn sie darüber urtheilenwollen? Und doch verhält es sich nicht so. Denn darinbestehr eben das Geschmacksurtheil, daß es eine Sachenur nach derjenigen Beschaffenheit schön nennt, in wel-cher sie sich nach unserer Art sie aufzunehmen richtet.

Überdies wird von jedem Urtheil, welches den Ge-schmack des Subjects beweisen soll, verlangt: daß dasSubject für sich, ohne nöthig zu haben durch Erfahrung