Critik der ästhetischen Urteilskraft. i
bleibt, und die Schuld seiner Vergehungen nicht aufandre, als Lehrer oder Vorganger, schieben kann, wirddoch nie durch allgemeine Vorschriften, die man ent-weder von Priestern oder Philosophen bekommen, oderauch aus sich selbst genommen haben mag, so viel aus-gerichtet werden, als durch ein Beyspiel der Tugendoder Heiligkeit, welches, in der Geschichte aufgestellt,die Autonomie der Tugend, aus der eigenen und ur-sprünglichen Idee der Sittlichkeit O priori) nicht ent-behrlich macht, oder diese in einen Mechanism derNachahmung verwandelt. Nachfolge, die sich aufeinen Vorgang bezieht, nicht Nachahmung, ist der rechteAusdruck für allen Einfluß, welchen Producte einesexemplarischen Urhebers auf Andere haben können; wel-ches nur so viel bedeutet, als: aus denselben Quellenschöpfen, woraus jener selbst schöpfte, und seinem Vor-ganger nur die Art, sich dabey zu benehmen, ablernen.Aber unter allen Vermögen und Talenten ist der Ge-schmack gerade dasjenige, welches, weil sein Urtheilnicht durch Begriffe und Vorschriften bestimmbar ist,am meisten der Beyspiele dessen, was sich im Fort«gange der Cultur am längsten in Beyfall erhalten hat,bedürftig ist, um nicht bald wieder ungeschlacht zuwerden, und in die Rohigkeit der ersten Versuche zu-rückzufallen.