Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Critik der ästhetischen Urtheilskrast. 141

günstige Urtheil anderer kann uns zwar mit Recht inAnsehung des unsrigen bedenklich machen, niemals abervon der Unrichtigkeit desselben überzeugend Also giebtes keinen empirischen Beweisgrund, das Geschmacks--urthcil jemanden abzunöthigen.

ZweytMs kann noch weniger ein Beweis -> priorinach bestimmten Regeln das Urtheil über Schönheit be-stimmen. Wenn mir jemand sein Gedicht vorlies t, odermich in ein Schauspiel führt, welches am Ende meinemGeschmack nicht behagen will, so mag er den Bcttteuxoder LesslNg, oder noch altere und berühmtere Critikerdes Geschmacks, und alle von ihnen aufgestellte Regelnzum Beweise anführen, daß sein Gedicht schön sey;auch mögen gewisse Stellen, die mir eben mißfallen,mit Regeln der Schönheit (so wie sie dort gegeben undallgemein anerkannt sind) gar wohl zusammenstimmen.'ich stopfe mir die Ohren zu, mag keine Gründe und keinVernünfteln hören, und werde eher annehmen, daßjene Regeln der Critiker falsch seyn, oder wenigstenshier nicht der Fall ihrer Anwendung sey, als daß ichmein Urtheil durch Beweisgründe s priori sollte bestim-men lassen, da es ein Urtheil des Geschmacks und nichtdes Verstandes oder der Vernunft seyn soll.

Es scheint, daß dieses eine der Hauptursachcn sey,weswegen man dieses ästhetische Beurtheilungsvermögengerade mit dem Namen des Geschmacks belegt hat.Denn, es mag mir jemand alle Ingredienzen eines