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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Erster Theil.

Anmerkung.

Diese Deduction ist darum so leicht, weil sie keine ob-jective Realität eines Vegrifs zu rechtfertigen nöthig hat;den» Schönheit ist kein Begrif vom Object, und das Ge-schmacksurthcil ist kein Erkenntnißurtheil. Es behauptet nur:daß wir berechtigt sind, dieselben subjectlvcn Bedingungender Urlheilskraft allgemein bey jedem Menschen vorauszu-sehen, die wir in uns antreffen; und nur noch, daß wirunter diese Bedingungen das gegebene Object richtig subsu-mirt haben. Obgleich nun dies letztere unvermeidliche, derlogischen Urthcilokrafc nicht anhangende, Schwierigkeitenhat (weil man in dieser unter Begriffe, in der ästhetischenaber unter ein bloß empfindbares Verhältniß, der an dervorgestellten Form des Objects wechselseitig unter einanderstimmenden Einbildungskraft und Verstandes, subsumirt,wo die Subsumtion leicht trügen kaun); so wird dadurch dochder Nechtmäßigkcit des Anspruchs der Urlheilskraft, aufallgemeine Bcystimmuug zu rechnen, nichts benommen, wel-cher nur darauf hinausläuft: die Nichtigkeit des Princips,aus subjectivcn Gründen für jedermann gültig zu urthei-len. Denn was die Schwierigkeit und den Zweifel wegender Nichtigkeit der Subsumtion unter jenes Princip betrift,so macht sie die Nechtmaßigkeit des Anspruchs auf dieseGültigkeit eines ästhetischen Urlheils übcihaupr, mithindas Princip selber, so wenig zweifelhaft, als die eben so-wohl (obgleich nicht so oft und leicht) fehlerhafte Subsum-tion der logischen UrthciKkraft unter ihr Princip das letz-tere, welches objectiv ist, zweifelhaft machen kann. Würdeaber die Frage seyn: Wie ist es möglich, die Natnr als einenJnbegiif von Gegenständen des Geschmacks » priori anzu-nehmen? so hat diese Aufgabe Beziehung auf die Tcleologie,weil es als ein Zweck der Natur, der ihrem Begriffe wcsent-