Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

Critik der ästhetischen Urcheilökraft. 15 z

lich anhinge, angesehen werden müßte, für unsere Urtheil«,kraft zweckmäßige Formen aufzustellen. Aber die Richtigkeitdieser Annahme ist noch sehr zu bezweifeln, indeß die Wirk,lichkeic der Naturschönheiten der Erfahrung offen liegt.

§- Z9.

Von der Mittheilbarkeit einer Empfindung.

Wenn Empfindung, als das Neale der Wahrnel>mung, auf Erkenntniß bezogen wird, so heißt sie Sin-nenempfindung ; und das Specifische ihrer Qualität laßtsich nur als durchgangig auf gleiche Art mittheilbar vor-stellen, wenn man annimmt, daß jedermann einen glei-chen Sinn mit dem unfrigen habe: dieses laßt sich abervon einer Sinnesempfindung schlechterdings nicht vor-aussetzen. So kann dem, welchem der Sinn des Ge-ruchs fehlt, diese Art der Empfindung nicht mitgetheiltwerden; und, selbst wenn er ihm nicht mangelt, kannman doch nicht sicher seyn, ob er gerade die nehmlicheEmpfindung von einer Blume habe, die wir davon ha-ben. Noch mehr unterschieden müssen wir uns aber dieMenschen in Ansehung der Annehmlichkeit oderUnannehmlichkeit bey der Empfindung eben dessel-ben Gegenstandes der Sinne vorstellen; und es istschlechterdings nicht zu verlangen, daß die Lust an der-gleichen Gegenständen von jedermann zugestanden wer-de. Man kann die Lust von dieser Art, weil sie durchdm Sinn in das Gemüth kommt und wir dabey alsopassiv sind, die Lust des Genusses nennen.

K?