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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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154
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154 Erster Theil.

Das Wohlgefallen an einer Handlung um ihrermoralischen Beschaffenheit willen ist dagegen keine Lustdes Genusses, sondern der Selbstthatigkeit, und derenGemäßheit mit der Idee seiner Bestimmung. DiesesGefühl, welches das sittliche heißt, erfordert aber Be-griffe; und stellt reine freye, sondern gesetzliche Zweck-mäßigkeit dar, laßt sich also auch nicht anders, als ver-mittelst der Vernunft, und, soll die Lust bey jedermanngleichartig seyn, durch sehr bestimmte praktische Ver-mmftbegriffe, allgemein mittheilen.

Die Lust am Erhabenen der Natur, als Lust dervernünftelnden Contemplation, macht zwar auch aufallgemeine Theilnehmung Anspruch, setzt aber doch schonein anderes Gefühl, nehmlich das seiner übersinnlichenBestimmung, voraus: welches, so dunkel es auch seynmag, eine moralische Grundlage hat. Daß aber an-dere Menschen darauf Rücksicht nehmen, und in derBetrachtung der rauhen Größe der Natur ein Wohlge-fallen finden werden (welches wahrhastig dem Anblickederselben, der eher abschreckend ist, nicht zugeschriebenwerden kann), bin ich nicht schlechthin vorauszusetzenberechtigt. Dem ungeachtet kann ich doch, in Betrachtdessen, daß auf jene moralischen Anlagen bey jeder schick-lichen Veranlassung Rücksicht genommen werden sollte,auch jenes Wohlgefallen jedermann ansinnen, aber nurvermittelst des moralischen Gesetzes, welches seiner Seirswiederum aufBegriffcn der Vernunft gegründet ist.

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