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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
155
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 15 5

Dagegen ist die Lust am Schönen weder eine Lustdes Genusses, noch einer gesetzlichen Thätigkeit, auchnicht der vernünftelnden Contemplation nach Ideen,sondern der bloßen Reflexion. Ohne irgend einen Zweckode? Grundsatz zur Richtschnur zu haben, begleitet dieseLust die gemeine Auffassung eines Gegenstandes durchdie Einbildungskraft, als Vermögen der Anschauung,in Beziehung auf den Verstand, als Vermögen der Be-griffe, vermittelst eines Verfahrens der Urteilskraft,welches sie auch zum Behuf der gemeinsten Erfahrungausüben muß: nur daß sie es hier, um einen empiri-schen objectiven Vegrif, dort aber (in der ästhetischenBeurtheilung) bloß um die Angcmessenheit der Vorstel-lung zur harmonischen (subjectiv- zweckmäßigen) Be-schäftigung beider Erkenntnißvcrmvgen in ihrer Freyheitwahrzunehmen, d. i. den Vorstcllungszustand mit Lust zuempfinden, zu thun genöthigt ist. Diese Lust muß noth-wendig bey jedermann auf den nehmlichen Bedingungenbeuchen, weil sie fubjective Bedingungen der Möglich-keit einer Erkenntniß überhaupt sind, und die Propor-tion dieser Erkenntnißverniögen, welche zum Geschmackerfordert wird, anch zum gemeinen und gefunden Ver-stände erforderlich ist, den man bey jedermann voraus^setzen darf. Eben darum darf auch der mit Gefchmackurtheilende (wenn er nur in diesem Bewußtseyn nichtirrt, und nicht die Materie für die Form, Reiz fürSchönheit nimmt) die subjective Zweckmäßigkeit, d. i.