Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

Critik der ästhetischen Urteilskraft. 157

gemein (nicht bloß in unserer Sprache, die hierinwirklich eine Zweydeutigkeit enthalt, sondern auch inmancher andern) so viel als das vnlZ-ne, was manallenthalben antrift, versteht, welches zu besitzen schlech-terdings kein Verdienst oder Vorzug ist.

Unter dem lenlus co?,.'?»»«?/ aber muß man die Ideeeines gemeinschaftlichen Sinnes, d. i. eines Beur-theilungsvermögens verstehen, welches in seiner Refle-xion auf die Vorstellungsart jedes andern in Gedanken(a priori) Rücksicht nimmt, um gleichsam an die ge-stimmte Menschenvernunft sein Urtheil zu halten, unddadurch der Illusion zu entgehen, die aus subjectivenPrivatbedingungen, welche leicht für objectiv gehaltenwerden könnten, auf das Urtheil nachtheiligen Einflußhaben würde. Dieses geschieht nun dadurch, daß mansein Urtheil an anderer, nicht sowohl wirkliche als viel-mehr bloß mögliche, Urtheile halt, und sich in die Stellejedes andern versetzt, indem man bloß von den Beschran-kungen, die unserer eigenen Beurtheilung zufalligerWeise anhangen, abstrahirt: welches wiederum dadurchbewirkt wird, daß man das, was in dem Vorsiellungs-zustaude Materie d. i. Empfindung ist, so viel möglichweglaßt, und lediglich auf die formalen Eigenthümlich-keiten seiner Vorstellung, oder seines Vorstellungszustan-des, Acht hat. Nun scheint diese Operation der Refle-xion vielleicht allzu künstlich zu seyn, um sie dem Vermö^gen, welches wir den gemeinen Sinn nennen, beyzu^