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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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162
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162 Erster Theil.

worden. Aber daraus folgt nicht, daß, nachdem es,als reines ästhetisches Urtheil, gegeben worden, leinInteresse damit verbunden werden könne. Diese Ver-bindung wird jedoch immer nur indirectfeyn können, d.i.der Geschmack muß allererst mit etwas anderm verbun-den vorgestellt werden, um mit dem Wohlgefallen derbloßen Reflexion über einen Gegenstand noch eineLust an der Existenz desselben (als worin alles In-teresse besteht) verknüpfen zu können. Denn es gilthier im ästhetifchcn Urtheile, was im Erkeuntnißurtheile(von Dingen überhaupt) gesagt wird: s i>'e 26 ellsZINN vslLt conl'^usnüs. Dieses Andere kann nunetwas Empirisches seyn, nehmlich eine Neigung, die dermenschlichen Natur eigen ist; oder etwas Jntellectuellcs,als Eigenschaft des Willens, 2 priori durch Vernunftbestimmt werden zu können: welche beide ein Wohlge-fallen am Daseyn eines Objects enthalten, und so denGrund zu einem Interesse an demjenigen legen können,was schon für sich und ohne Rücksicht auf irgend einInteresse gefallen hat.

Empirisch iiueressirr das Schöne mir in der Ge-sellschaft; und, wenn man den Trieb zur Gesellschaftals dem Menschen natüuich, die Tauglichkeit aber und' den Hang dazu, d. i. die Gefälligkeit, zur Erfordernißdes Menschen, als für die Gesellschaft bestimmten Ge-schöpfs, also als zur Humanität gehörige Eigenschafteinräumt: so kann es nicht fehlen, daß man nicht anch