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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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164
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l64 Erster Theil.

Punkt gekommene Civilisirung daraus beynahe dasHauptwerk der verfeinerten Neigung macht, und Em-pfindungen nur so viel werth gehalten werden, als siesich allgemein mittheilen lassen; wo denn, wenn gleichdie Lust, die jeder an einem solchen Gegenstände hat,nur unbeträchtlich und für sich ohne merkliches Interesseist, doch die Idee von ihrer allgemeinen Mittheilbarkeitihren Werth beynahe unendlich vergrößert»

Dieses indirect dem Schönen, durch Neigung zurGesellschaft, angehängte, mithin empirische Interesse, istaber für uns hier von keiner Wichtigkeit, die wir nurdarauf zu sehen haben, was auf das Geschmacksurtheila xrioii, wenn gleich nur indirect, Beziehung habenmag. Denn, wenn auch in dieser Form sich ein damitverbundenes Interesse entdecken sollte, so würde Ge-schmack einen Übergang unseres Beurtheilungsvermö-gens von dem Sinnengenuß zum Sittengefühl entdecken;und nicht allein, d^ß man dadurch den Gefchmack zweck-mäßig zu beschäftigen besser geleitet werden würde, eswürde auch ein Mittelglied der Kette der menschlichenVermögen s i>rluii, von denen alle Gesetzgebung abhän-gen muß, als ein solches dargestellt werden. So vielkann mau von dem empirischen Interesse an Gegenstän-den des Geschmacks und am Geschmack selbst wohl sa-gen, daß es, da dieser der Neigung fröhnt, obgleich sienoch so verfeinert seyn mag, sich doch auch mit allenNeigungen und Leidenschaften/ die in der Gesellschaft