Critir der ästhetischen Urtheilskraft. 165
ihre größte Mannichfaltigkeit und höchste Stufe errei-chen, gern zufammenschmelzen läßt, und das Interesseam Schönen, wenn es darauf gegründet ist, einen nursehr zwendeutigcn Übergang vom Angenehmen zumGuten abgeben könne. Ob aber dieser nicht etwa dochdurch den Geschmack, wenn er in seiner Reinigkeit ge-nommen wird, befördert werden könne, haben wir zuuntersuchen Ursache.
§. 42.
Von dem inlellectuellen Interesse am Schöneil.
Es geschah in gutmüthiger Absicht, daß diejenigen,welche alle Beschäftigungen der Menschen, wozu diese dieinnere Natnranlage antreibt, gerne auf den letzten Aweckder Menschheit, nehmlich das Moralisch-Gute richtenwollten, es für ein Zeichen eines guten moralischen Cha-ractcrs hielten, am Schönen überhaupt ein Interesse zunehmen. Ihnen ist aber nicht ohne Grund von andernwidersprochen worden, die sich auf die Erfahrung beru-fen, daß Virtuosen des Geschmacks, nicht allein oft,sondern wohl gar gewöhnlich, eitel, eigensinnig, undverderblichen Leidenschaften ergeben, vielleicht noch we-niger wie andere auf den Vorzug der Anhänglichkeit ansittliche Grundsatze Anspruch machen könnten; und soscheint es, daß das Gefühl für das Schöne nicht allein(wie es auch wirklich ist) vom moralischen Gefühl speci-fisch unterschieden, sondern auch das Interesse, welches
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