Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 167
nimmt ein unmittelbares und zwar intcllcctuelles In-teresse an der Schönheit der Natur. D. i. nicht alleinihrProduct der Form nach, sondern auch das Daseyndesselben gefallt ihm, ohne daß ein Sinnenreiz daranAntheil hatte, oder er auch irgend einen Zweck damitverbände.
Es ist aber hiebe!) merkwürdig, dass, wenn mandiesen Liebhaber des Schönen insgeheim hintcrgangcn,und künstliche Blumen (die man den natürlichen ganzähnlich verfertigen kann) in die Erde gesteckt, oder kunst-lich geschnitzte Vögel auf Zweige von Bäumen gesetzthätte, und er darauf den Betrug entdeckte, das umnit-telbare Interesse welches er vorher daran nahm, alsbaldverschwinden, vielleicht aber ein anderes, nehmlich dasInteresse der Eitelkeit, fein Zimmer für fremde Augendamit auszuschmücken, an dessen Stelle sich einsmdenwürde. Daß die Narur jene Schönheit hervorgebrachthat: dieser Gedanke muß die Anschauung und Reflexionbegleiten; und auf diesem gründet sich allein das nnmit-telbare Interesse, das man daran nimmt. Sonst bleibtentweder ein bloßes Gcschmacksurtheil ohne alles In-teresse, oder nur ein mit einem mittelbaren, nehmlichauf die Gesellschaft bezogenen, verbundenes übrig; wel-ches letztere keine sichere Anzeige auf moralisch - guteDenkungsart abgiebt.
Dieser Vorzug der Naturfchönheit vor der Kunst-schönheit, wenn jene gleich durch diefe der Form nach
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