Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

i/v Erster Theil.

nigstens eine Anlage zu guter moralischer Gesinnungzu vermuthen.

Man wird sagen: diese Deutung ästhetischer Ur-theile auf Verwandtschaft mit dem moralischen Gefühlsehe gar zu studiert aus, um sie für die wahre Auslegungder Chiferschrift zu hqlten, wodurch die Natur in ih-ren schönen Formen figürlich zu uns spricht. Allein erst-lich ist dieses unmittelbare Interesse am Schönen derNatur wirklich nicht gemein, sondern nur denen eigen,deren Denkungsart entweder zum Guten schon ausge-bildet, oder dieser Ausbildung vorzüglich empfanglich ist;und dann führt die Analogie zwischen dem reinen Ge-schmacksurtheile, welches, ohne von irgend einem In-teresse abzuhängen, ein Wohlgefallen fühlen läßt, undes zugleich a priori als oer Menschheit überhaupt anstän-dig vorstellt, mit dem moralischen Urtheile, welches ebendasselbe aus Begriffen thut, auch ohne deutliches, sub-tiles und vorfttzliches Nachdenken, auf ein gleichmäßi-ges unmittelbares Interesse an dem Gegenstände desersteren, so wie an dem des letzteren: nur daß jenes einfreyes, dieses ein auf objective Gesetze gegründetes In<reresse ist. Dazu kommt noch die Bewunderung der Na-tur, die sich an ihren schönen Prooucten als Kunst, uichtbloß durch Zufall, sondern gleichsam absichtlich, nachgesetzmäßiger Anordnung und als Zweckmäßigkeit ohneZweck, zeigt: welchen letztereu, da wir ihn äußerlichnirgend antreffen, wir natürlicher Weise in uns selbst,