Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 171
und zwar in demjenigen, was den letzten Zweck unseresDaseyns ausmacht, nehmlich der moralischen Bestim-mung, suchen (von welcher Nachfrage nach dem Grundeder Möglichkeit einer solchen Naturzweckmaßigkeit aberallererst in der Teleologie die Rede seyn wird).
Daß das Wohlgefallen an der schönen Kunst im rei-nen Eeschmacksurtheile nicht eben fo mit einem unmittel>baren Interesse verbunden ist, als das an der schöne!«Natur, ist auch leicht zu erklaren. Denn jene ist ent-weder eine solche Nachahmung von dieser, die bis zurTauschung geht: und alsdann thut sie die Wirkung als(dafür gehaltene) Naturfchönheit; oder sie ist ein- ab-sichtlich auf unfcr Wohlgefallen sichtbarlich gerichteteKunst: alsdann aber würde das Wohlgefallen an diesen:Prodncte zwar unmittelbar durch Geschmack Statt fin-den, aber kein anderes als mittelbares Interesse an derzum Grunde liegenden Ursache, nehmlich einer Kunst,welche nur durch ihren Zweck, niemals an sich selbst, in-tcressiren kaun. Man wird vielleicht sagen, daß diesesauch der Fall sey, wenn ein Object der Natur durch seineSchönheit nur in sofern interessirt, als ihr eine morali-sche Idee beygestllet wird; aber nicht dieses, sondern dieBeschaffenheit derselben an sich selbst, daß sie sich zu einersolchen Vcygcsellung qualificirt, die ihr also innerlichzukommt, interessirt unmittelbar.
Die Reize in der scheuen Natur, welche so häufigmit der schönen Form gleichsam zusammenschmelzend an-