172 Erster Theil.
getroffen werden, sind entweder zu den ModifikationendeS Lichts (in der Farbengebung) oder des Schalles (inTönen) gehörig. Denn diese sind die einzigen Empfin-dungen, welche nicht bloß Sinnengefühl, sondern anchReflexion über die Form dieser Modifikationen der Sinneverstatten, und so gleichsam eine Sprache, die die Naturzu uns führt, und die einen höhern Sinn zu haben scheint,in sich enthalten. So scheint die weiße Farbe der Liliedas Gemüth zu Ideen der Unschuld, und nach der Ord-nung der sieben Farben, von der rothen an bis zur vio-letten, i) zur Idee der Erhabenheit, 2) der Kühnheit,?) der Freymülhigkeit, 4) der Freundlichkeit, 5) derBescheidenheit, 6) der Standhaftigkeit, und 7) derZärtlichkeit zu stimmen. Der Gesang der Vogel verkün-digt Fröhlichkeit und Zufriedenheit mit seiner Existenz.Wenigstens so deuten wir die Natur aus, es mag der-gleichen ihre Absicht seyn oder nicht. Aber dieses In-teresse, welches wir hier an Schönheit nehmen, bedarfdurchaus, daß es Schönheit der Natur sey; und es ver-schwindet ganz, sobald man bemerkt, man sey getauscht,und eS sey nur Kunst: sogar, daß auch der Geschmack'alsdann nichts Schönes, oder das Gesicht etwas Rei-zendes mehr daran finden kann. Was wird von Dich-tern höher gepriesen, als der bezaubernd schöne Schlagder Nachtigall, in einsamen Gebüschen, an einem stillenSommerabcnde, bey dem sanften Lichte des Mondes?Indeß hat man Beyspiele, daß, wo kein solcher San-