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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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185
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Critik der ästhetischen Urcheilskraft. 185

heißen: weil für diese die Kunst irgendwo still sieht, in-dem ihr eine Gränze gesetzt ist, über die sie nicht weitergehen kann, die vermuthlich auch schon seit lange hererreicht ist und nicht mehr erweitert werden kann ; undüberdem eine solche Geschicklichkeit sich auch nicht mit-theilen laßt, sondern jedem unmittelbar von der Handder Natur ertheilt sey» will, mit ihm also stirbt, bis dieNatur einmal einen andern wiederum eben so begabt,der nichts weiter als eines Beyspiels bedarf, um dasTalent, dessen er sich bewußt ist, auf ahnliche Art wir-ken zu lassen.

Da die Naturgabe der Kunst (als schönen Kunst)die Regel geben muß; welcherlei) Art ist denn diese Re-gel? Sie kann in keiner Formel abgefaßt zur Vorschriftdienen ; denn sonst würde das Urtheil über daS Schonenach Begriffen bestimmbar seyn: sondern die Regel mußvon der That d.i. vom Product absirahirt werden, anwelchem andere ihr eigenes Talent prüfen mögen, umsich jenes zum Muster, nicht der NachlNachuttg,sondern der Nachahmung, dienen zu lassen. Wiedieses möglich sey, ist schwer zu erklaren. Die Ideendes Kunstlers erregen ahnliche Ideen feines Lehrlings,wenn ihn die Natur mit einer ahnlichen Proportion derGemüthskräfte versehen hat. Die Muster der schönenKunst sind daher die einzigen Leitungsmittel, diese aufdie Nachkommenschaft zu bringen: welches durch bloßeBeschreibungen nicht geschehen könnte (vornehmlich nicht

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