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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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186
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186 ' Erster Theil.

im Fache der redenden Künste); und auch in diesen kön-nen nur die in alten, todten, und jetzt nur als gelehrteaufbehaltenen Sprachen classisch werden.

Ob zwar mechanische und schöne Kunst, die ersteals bloße Kunst des Fleißes und der Erlernung, diezweyte als die des Genie's, sehr von einander unterschie-den sind; so giebt es doch keine schöne Kunst, in welchernicht etwas Mechanisches, welches nach Regeln gefaßtund befolgt werden kann, und also etwas Schulge-rechtes die wesentliche Bedingung der Kunst ausmachte.Denn etwas muß habe-) als Zweck gedacht werden, sonstkann man ihr Product gar keiner Kunst zuschreiben; eswäre ein bloßes Product des Zufalls. Um aber einenZweck ins Werk zu richten, dazu werden bestimmte Re-geln erfordert, von denen man sich nicht frey sprechendarf. Da nun die Originalität des Talents ein (abernicht das einzige) wesentliches Stück vom Charakter desGenie's ausmacht; so glauben seichte Köpfe, daß sie nichtbesser zeigen können, sie waren aufblühende Genie's,als wenn sie sich vom Schulzwange aller Regeln lossa-gen, und glauben, man paradire besser auf einem kolle-richtcn Pferde, als auf einem Schulpferde. Das Geniekann nur reichen Stof zn Productcn der schönen Kunsthergeben; die Verarbeitung desselben und die Formerfordert ein durch die Schule gebildetes Talent, umeinen Gebrauch davonzumachen, der vor!der Urtheiis-kraft bestehen kann. Wenn aber jemand sogar in Sachen