i88 Erster Theil.
Möglichkeit (worauf in der Beurtheilung eines derglei-chen Gegenstandes auch Rücksicht genommen werdenmuß) Genie erfordert, genau zu bestimmen.
Eine Naturschönheit ist ein schönes Ding; dieKunsifchönheit ist eine schöne Vorstellung von einemDinge.
Um eine Naturschönheit als eine solche zu beurthei-len, brauche ich nicht vorher einen Vegrif davon zu ha-ben, was der Gegenstand für ein Ding seyn solle; d. i.ich habe nicht nöthig, die materiale Zweckmäßigkeit (denZweck) zu kennen, fondern die bloße Form ohne Kennt-niß des Zwecks gefallt in der Beurtheilung für sich selbst.Wenn aber der Gegenstand für ein Product der Kunstgegeben ist, und als solches für fchön erklart werden soll;so muß, weil Kunst immer einen Zweck in der Ursache(und deren Causalität) voraussetzt, zuerst ein Begrif vondem zum Grunde gelegt werden, was das Ding seynsoll; und, da die Zufammcnstimmung desMannichfalti-gen in einem Dinge, zu einer innern Bestimmung dessel-ben als Zweck, die Vollkommenheit des Dinges ist, sowird in der Beurtheilung der Knnsischvnheit zugleich dieVollkommenheit des Dinges in Anschlag gebracht wer-den müssen, wornach in der Beurtheilung einer Natur-fchonheit (als einer solchen) gar nicht die Frage ist. —Zwar wird in der Beurtheilung, vornehmlich der beleb-ten Gegenstände der Natur, z. B. des Menschen odereines Pferdes, auch die objective Zweckmäßigkeit gemci-