Critik der ästhetischen Urteilskraft. 189
niglich mit in Betracht gezogen, um über die Schönheitderselben zu urtheilen; alsdann ist aber auch das Urtheilnicht mehr rein-ästhetisch, d. i. bloßes Geschmacksur-theil. Die Natur wird nicht mehr beurtheilt, wie sieals Kunst erscheint, sondern sofern sie wirklich (obzwarübermenschliche) Kunst ist; und das teleologische Urtheildient dein ästhetischen zur Grundlage und Bedingung,worauf dieses Rücksicht nehmen muß. In einem solchenFalle denkt man auch, wenn z. B. gesagt wird: „das istein schönes Weib," in der That nichts anders, als: dieNatur stellt in ihrer Gestalt die Zwecke im weiblichenBaue schön vor; denn man muß noch über die bloßeForm auf einen Begrif hinaussehen, damit der Gegen-stand auf solche Art durch ein logisch-bedingtes ästhe-tisches Urtheil gedacht werde.
Die schöne Kunst zeigt darin eben ihre Vorzüglich-keit, daß sie Dinge, die in der Natur häßlich oder miß-fällig seyn würden, schön beschreibt. Die Furien, Krank-heiten, Verwüstungen des Krieges, u. d. gl. können, alsSchädlichkeiten, sehr schön beschrieben, ja sogar im Ge-mälde vorgestellt werden; nur eine Art Häßlichkeit kannnicht der Natur gemäß vorgestellt werden, ohne allesästhetische Wohlgefallen, mithin die Kunstschönheit, zuGrunde zu richten: nehmlich diejenige, welche Ekelerweckt. Denn, weil in dieser sonderbaren, auf lauterEinbildung beruhenden Empfindung, der Gegenstandgleichsam, als ob er sich zum Genusse aufdrängte, wider