194 Erster Theil.
men suchen, welches ihnen den Anschein einer objecti-ven Realität giebt; andrerseits, und zwar hauptsäch-lich, weil ihnen, als innern Anschauungen, kein Begrifvöllig adäquat seyn kann. Der Dichter wagt es, Ver-nunftideen von unsichtbaren Wesen, das Reich der Se-ligen, das Höllenreich, die Ewigkeit, die Schöpfung u.d. gl. zu vcrsinnlichcn; oder auch das, was zwar Bey-spiele in der Erfahrung findet, z. B. den Tod, den Neidund alle Laster, ungleichen die Liebe, den Ruhm u. d.gl. über die Schranken der Erfahrung hinaus, vermit-telst einer Einbildungskraft, die dem Vernunft - Vor-spiele in Erreichung eines Größten nacheifert, in einerVollständigkeit sinnlich zu machen, für die sich in derNatur kein Beyspiel findet; und es ist eigentlich dieDichtkunst, in welcher sich das Vermögen ästhetischerIdeen in seinem ganzen Maaße zeigen kann. DiesesVermögen aber, für sich allein betrachtet, ist eigentlichmir ein Talent (der Einbildungskraft).
Wenn nun einem Begriffe eine Vorstellung der Ein-bildungskraft untergelegt wird, die zu feiner Darstellunggehört, aber für sich allein fo viel zu denken veranlaßt,als sich niemals in einem bestimmten Begrif zusammen-fassen läßt, mithin den Begrif selbst auf unbegränzteArt ästhetisch erweitert; so ist die Einbildnngskraft hie-ben schöpferisch, und bringt das Vermögen intellectuellerIdeen (die Vernunft) in Bewegung, mehr nehmlich beyVeranlassung einer Vorstellung zu denken (was zwar zu