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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Critik der ästhetischen Urtheilskrast. 195

dem Begriffe des Gegenstandes gehört), als in ihr auf-gefaßt und deutlich gemacht werden kann.

Man nennt diejenigen Formen, welche nicht die Dar-stellung eines gegebenen Begrifs selber ausmachen, son-dern nur, als Nebenvorstellungen der Einbildungskraft,die damit verknüpften Folgen und die Verwandtschaftdesselben mit andern ausdrücken, Attribute (ästheti--sehe) eines Gegenstandes, dessen Begrif, als Vernunft-idee, nicht adäquat dargestellt werden kann. So ist derAdler Jupiters, mit dem Blitze in den Klauen, ein At-tribut des mächtigen Himmelskönigs, und der Pfau derprächtigen Himmelsköniginn. Sie stellen nicht, wie dielogische!! Attribute, das was iu unsern Begriffenvon der Erhabenheit und Majestät der Schöpfung liegt,sondern etwas anderes vor, was der Einbildungskrast-Anlaß giebt, sich über eine Menge von verwandten Vor-stellungen zu verbreiten, die mehr denken lassen, als manin einem durch Worte bestimmten Begrif ausdrückenkann; und geben eine ästhetische Idee, die jener Ver-nunftidee statt logischer Darstellung dient, eigentlich aberum das Gemüth zu beleben, indem sie ihm die Auefichtin ein unabsehliches Feld verwandter Vorstellungen er-vfnet. Die schöne Kunst aber thut dieses nicht allein inder Malerei) oder Bildhauerkunst (wo der Namen derAttribute gewöhnlich gebraucht wird); sondern die Dicht-kunst und Beredsamkeit nehmen den Geist, der ihre Werkebelebt, anch lediglich von den ästhetischen Attributen der

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