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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
196
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IS6 Erster Theil.

Gegenstände her, welche den logischen zur Seite gehen,und der Einbildungskraft einen Schwung geben, mehrdabey, obzwar auf unentwickelte Art, zu denken, alssich in einem Begriffe, mithin in einem bestimmtenSprachausdrucke, zusammenfassen läßt. Ich mußmich der Kurze wegen nur auf wenige Beyspiele ein-schränken.

Wenn der große König sich in einem seiner Gedichteso ausdrückt:Laßt uns aus dem Leben ohne Murrenweichen und ohne etwas zu bedauern, indem wir dieWelt noch alsdann mit Wohlchaten überhäuft zurück-lassen. So verbreitet die Sonne, nachdem sie ihren Ta-geslauf vollendet hat, noch ein mildes Licht am Himmel;und die letzten Strahlen, die sie in die Lüste schickt, sindihre letzten Seufzer für das Wohl der Welt;" so belebter seine Vernunstidee, von weltbürgerlichcr Gesinnungnoch am Ende des Lebens, durch ein Attribut, welchesdie Einbildungskraft (in der Erinnerung an alle An-nehmlichkeiten eines vollbrachten schönen Sommertages,die uns ein heiterer Abend ins Gemüth ruft) jener Vor-stellung beygcsellt, und welches eine Menge von Empfin-dungen und Nebenvorstellungen rege macht, für die sichkein Ausdruck findet. Andererseits kann sogar ein in-tellectueller Begrif umgekehrt zum Attribut einer Vor-stellung der Sinne dienen, und so diese letztere durch dieIdee des Übersinnlichen beleben; aber ttur, indem dasÄsthetische, welches dem Bewußtseyn des-letztern subjektiv