Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 197

anhanglich ist, hiezu gebraucht wird« So sagt z. B. eingewisser Dichter in der Beschreibung eines schönen Mor-gens:D-e Sonne quoll hervor, wie Ruh' aus Tugendquillt/' Das Bewußtseyn der Tugend, wenn man sichauch nur in Gedanken in die Stelle eines Tugendhaftenversetzt, verbreitet im Gemüthe eine Menge erhabenerund beruhigender Gesühle, und eine gränzenlose Aussichtin eine frohe Zukunft, die kein Ausdruck, welcher einembestimmten Begriffe angemessen ist, völlig erreicht

Mit einem Worte, die ästhetische Idee ist eine ei-mm gegebenen Begriffe beygesellte Vorstellung der Ein-bildungstraft, welche mit einer solchen Mannichfaltig-kcit von Theilvorsiellungcn in dem freyen Gebrauchederselben verbunden ist, daß für sie kein Ausdruck, dereinen bestimmten Begrif bezeichnet, gefunden werdenkann, die also zu einem Begriffe viel Unnennbareshinzu denken laßt, dessen Gefühl die Erkenntnißvermö-gen belebt, und mit der Sprache, als bloßem Buchsta--ben, Geist verbindet.

Nz

Vielleicht ist nie cOvas Erhabneres g'sagt, oder ei» Ge-danke erhabener ausgedrückt worden, als in jener Aufschriftüber dem Tempel der Isis (der Mutier ^anir): »Ichbin alles was da ist, was da war, und was da seyn wird,und meinen Echleyer hat kein Sterblicher aufgedeckt."Gegner benuyie diese Idee, durch eine sinnreiche seinerNaiurlchre vvrgcseljtc Vignette, um seinen Lehrling, dener in diesen Tempel zu führen bereit war, vorher mitdem heiligen Schauer zu erfüllen, der das Gemüth zufeierlicher Aufmerksamkeit stimmen seil.