Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 199
in einen Bcgrif (der eben darum original ist, und zu-gleich eine neue Regel eröfnet, die aus keinen vorher-gehenden Principien oder Beyspielen hat gefolgert wer-den können) zu vereinigen, der sich ohne Zwang derRegeln mittheilen laßt.
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Wenn wir nach diesen Zergliederungen auf die obengegebene Eeklärung dessen, was man Geilte nennt,zm ückfehen, so finden wir: erstlich, daß es ein Talentzur Kunst sey, nicht zur Wissenschaft, in welcher deut-lich gekannte Regeln vorangehen und das Verfahren inderselben bestimmen müssen; zweytcnö, daß es, alsKunsttalent, einen bestimmten Begrif von dem Pro-ducte, als Zweck, mithin Verstand, aber auch eine(wenn gleich unbestimmte) Vorstellung von dem Stof,d. i. der Anschauung, zur Darstellung dieses Begrifs,mi-hin ein Verhältniß der Einbildungskraft zum Ver-stände voraussetze; daß es sich drittens nicht sowohl inder Ausführung des vorgesetzten Zwecks in Darstellungeines bestimmten Begrifs, als vielmehr im Vortrage,oder dem Ausdrucke ästhetischer Ideeil, welche zu je-ner Absicht reichen Stof enthalten, zeige, mithin die Ein-bildungskraft, in ihre, Freyheit von aller Anleitung derRegeln, dennoch als zweckmäßig zur Darstellung desgegebenen Begrifs vorstellig mache; daß endlich vier-tens die ungefuchte unabsichtliche subjective Zweckmä-ßigkeit in der freyen Übereinstimmung der Einbildungs-
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