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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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Erster Theil.

kraft zur Gesetzlichkeit des Verstandes eine solche Pro-portion und Stimmung, oicscr Vermögen voraussetze,-als keine Befolg-ung von Regeln, es sey der Wissenschaftoder mechanischen Nachahmung, bewirken, sondern bloßdie Natur des Subjects hervorbringen,k<mn.

Nach diesen Voraussetzungen ist Genie: die muster-hafte Originalität--der Narurgabe eines Subjects imsreyM Gebrauche seiner Erkenntnißvermögen. Aufsolche Weise ist das Product eines Genie's (nach dem-jenigen, was in demselben dem Genie, nicht der mög-lichen Erlernung oder der Schule, zuzuschreiben ist) einBeyspiel nicht der Nachahmung (denn da würde dns>was daran Genie ist und den Geist des Werks aus-macht, verloren gchcn>, sondern der Nachfolge für einanderes Genie, welches dadurch zum Gefühl seiner eige-nen Originalität aufgeweckt wird, Zwangsfrcyheit vonRegeln so in der Kunst auszuüben, daß diese dadurchselbst eine neue Regel bekommt, wodurch das Talentsich als musterhast zeigt. Weil aber das Genie einGünstling der Natur ist, dergleichen man mir als sel-tene Erscheinung anzusehen hat; so bringt sein Beyspielfür andere gute Köpfe eine Schule Hervor, d. i. einemethodische Unterweisung nach Regeln, soweit man sieaus jeuen Geistesproducten und-ihrer Eigenthümlichkeithat ziehen können: und für diefe ist die schöne Kunst so-fern Nachahmung, der die Natur durch ein Genie dieRegel gab. ,