Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

. Critik der ästhetischen Urtheilökrast. 2O»

Aber diese Nachahmung wird NüchäffUttg, wennder Schüler alles nackmacht, bis auf das, was dasGenie als Mißgestalt nur hat zulassen müssen, weil essich, ohne die Idee zu schwachen, nicht wohl wegschaffenließ. Dieser Muth ist an einem Genie allein Verdienst;und eine gewisse Kühnheit im Ausdrucke und über-Haupt manche Abweichung von der gemeinen Regel stehtdemselben wohl an, ist aber keinesweges nachahnmngsswürdig, sondern bleibt immer an sich ein Fehler, denman wegzuschaffen suchen muß, für welchen aber dasGenie gleichsam privilcgirt ist, da das Unnachahmlicheseines Geistesschwunges durch ängstliche Behutsamkeitleiden würde. Das Manieriren ist eine andere ArtvonNachaffung, nehmlich der bloßen Eigenthümlich-keit (Originalität) überhaupt, um sich ja von Nachah-mern so weit als möglich zu entfernen, ohne doch das Ta-lent zu besitzen, dabey zugleich musterhaft zu seyn.Zwar giebt es zweycrley Art (inodus) überhaupt derZusammenstellung seiner Gedanken des Vertrages, de-ren die eine Manier Oioäus AcliliL^cus), die andereMethode (luoclns loZi^ns) heißt, die sich darin voneinander unterscheiden: daß die' erstere kein anderesNichtmaaß hat, als das Gefühl der Einheit in derDarstellung, die andere aber hierin bestimmte Princi-pien befolgt; für die schöne Knnst gilt also nur die er-stere. Allein manierirt heißt ein Kunstproducr nur

alsdann, wenn der Vertrag seiner Idee in demselben

N 5