Critik der ästhetischen Urcheilskrasr. 2c?z
der ersteren bringt in ihrer gesetzlosen Freyheit nichts alsUnsinn hervor; die Urtheilskraft ist hingegen das Ver-mögen, sie dem Verstände anzupassen.
Der Geschmack ist, so wie die Urtheilskraft über-haupt, die Disciplin (oder Zucht) des Genie's, beschnei-det diesem sehr die Flügel und macht es gesittet odergeschlissen; zugleich aber giebt er diesem eine Leitung,worüber und bis wie weit es sich verbreiten soll, umzweckmäßig zu bleiben; und, indem er Klarheit undOrdnung in die Gedankenfülle hineinbringt, macht erdie Ideen haltbar, eines daurenden zugleich auch allge-meinen Beyfalls, der Nachfolge anderer, und einerimmer fortschreitenden Cultur, fähig. Wenn also imWiderstreite beiderlei) Eigenschaften an einem Productcetwas aufgeopfert werden soll, so müßte es eher aufder Seite des Genie's geschehen; und die Urtheilskrast,welche in Sachen der schönen Kunst ans eigenen Prin-cipien den Ausspruch thut, wird eher der Freyheit unddem Reichthum der Einbildungskrast, als dem Ver-stände Albruch zu thun, erlauben.
Dur schönen Kunst würden also Einbildungs-kraft, Verstand, Geist, und Geschmack erfor-derlich seyn
») Die drey ersteren Vermögen bekommen durch das vierteallererst ihre Vereinigung. Hume giebt in seiner Ge-schichte den Engländern zu verstehen, daß, obzwar sie inihren Werken keinem Volke in der Welt in Ansehung der