Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

Critik der ästhetischen Urteilskraft. 205

Tone (Articulation, Gesticulation, und Modulation).Nur die Verbindung dieser drey Arten des Ausdrucks«nicht die vollständige Mittheilung des Sprechendenaus. Denn Gedanke, Anschauung, und Empfindungwerden dadurch zugleich und vereinigt auf den andernübergetragen.

Es giebt also nur drcyerley Arten schöner Künste:

die redende, die bildende, und die Kunst des Spiels

der Empfindungen (als äußerer Sinneneindrücke).Man könnte diese Eintheilung auch dichotomisch einrich-ten, so daß die schöne Kunst in die des Ausdrucks der Ge-danken, oder der Anschauungen; und diese wiederum bloßnach ihrer Form, oder ihrer Materie (der Empfindung),eingetheilt würde. Allein sie wurde alsdann zu abstractund den gemeinen Begriffen nicht so angemessen aussehen.

1) Die redenden Künste sind Beredsamkeit undDichtkunst. Beredsamkeit ist die Kunst, ein Ge-schäft des Verstandes als ein freyes Spiel der Einbil-dungskrast zu betreiben; Dichtkunst, ein freyes Spielder Einbildungskraft als ein Geschäft des Verstandesauszuführen.

Der Redner also kündigt ein Geschäft an, undführt es fo aus, als ob es bloß ein Spiel mit Ideensey, um die Zuschauer zu unterhalten. Der Dichterkündigt bloß ein unterhaltendes Spiel mit Ideen an,und es kommt doch so viel für den Verstand heraus, alsob er bloß dessen Geschäft zu treiben die Absicht gehabt