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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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207
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Critik der ästhetischen Urteilskraft. 207

2) Die bildenden Künste, oder die des Aus-drucks für Ideen in der SmnenanschaUUNg (nichtdurch Vorstellungen der bloßen Einbildungskraft, diedurch Worte aufgeregt werden) sind entweder die der

Sinnenwahrheit oder des Sinnenscheins. Die

erste heißt die Plastik, die zweyte die Maleret). Beidemachen Gestalten im Raume zum Ausdrucke für Ideen;jene macht Gestalten für zwey Sinne kennbar, dem Ge-sichte und Gefühl (obzwar dem letzteren nicht in Ab-sicht auf Schönheit), diefe nur für den erstem. Dieästhetische Idee (Archetypen, Urbild) liegt zu beidenin der Einbildungskraft zum Grunde; die Gestalt aber,welche den Ausdruck derselben ausmacht, (Ectypon,Nachbild) wird entweder in ihrer körperlichen Ausdeh-nung (wie der Gegenstand selbst existirt), oder nach derArt wie diese sich im Auge malt (nach ihrer Appa-renz in einer Flache ) gegeben; oder, wenn auch daserstere ist, entweder die Beziehung auf einen wirklichenZweck, oder nur der Anschein desselben, der Reflexionzur Bedingung gemacht.

Zur Plastik, als der ersten Art schöner bildender

Künste, gehört die Bildhauerkunst und Baukunst.

Die erste ist diejenige, welche Begriffe von Dingen, so

wie sie in der Natur existiren könnten, körperlich

darstellt (doch als schöne Kunst mit Rücksicht auf asthe>tifcheZweckmäßigkeit); die zweyte ist die Kunst, Be-griffe von Dinge», die nur durch Kunst möglich sind,