Critik der ästhetischen Urteilskraft. 209
menstellung ihrer Producte eintheilen. Die ersteWare die eigentliche Malerey, die zweyte die Lllst-gärtnerey. Den» die erste giebt nur den Schein derkörperlichen Ausdehnung; die zweyte zwar diese nach derWahrheit, aber nur den Schein von Benutzung und Ge-brauch zu anderen Zwecken, als bloß für das Spiel derEinbildung in Beschallung ihrer Formen Die letz-tere ist nichts anders, als die Schmückung des Bodensmit derselben Mannichfaltigkeit, (Gräsern, Blumen,Sträuchen und Bäumen, selbst Gewässern, Hügeln undThalern), womit ihn die Natur dem Anschauen dar-stellt, nur anders und angemessen gewissen Ideen, zu-
') Daß die Lustgärtnerey als eine Art von Malerkunst be <trachtet werden könne, ob sie zwar ihre Formen körperlichdarstellt, scheint befremdlich; da sie aber ihre Formen wirk-lich aus der Natur nimmt (die Bäume, Gesträuche, Grä-ser und Blumen aus Wald und Feld, wenigstens uranfäng-lich), und sofern nicht, etwa wie die Plastik, Kunst ist,auch keinen Begrif von dem Gegenstande und seinem Zwecke(wie etwa die Baukunst) zur Bedingung ihrer Zusammen-stellung hat, sondern bloß das freye Spiel der Einbildungs-kraft in der Beschauung : so kommt sie mit der bloß ästhe-tischen Malerey, die kein bestimmtes Thema hat CLust,Land und Wasser durch Licht und Schalten unterhaltendllisainmeii stellt), sofern überein. — Überhaupt wird derLeser dieses nur als einen Versuch, von der Verbindung derschonen Künste unter einem Princip, welches diesmal dasdes Ausdrucks ästhetischer Ideen (nach der Anlage einerSprache) seyn soll, beurtheilen, und nicht als für entschie-den gehaltene Ableitung derselben ansehen.
Tance Lric. d. Urtheilskr.
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