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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Critik der ästhetischen Urteilskraft. 211

gezahlt werden könne, wird dadurch gerechtfertigt, daßder Geist des Kunstlers durch diese Gestalten von dem,was und wie er gedacht hat, einen körperlichen Ausdruckgiebt, und die Sache selbst gleichsam mimisch sprechenmacht: ein sehr gewöhnliches Spiel unserer Phantasie,welche leblosen Dingen, ihrer Form gemäß, einen Geistunterlegt, der aus ihnen spricht.

?) Die Kunst des schönen Spiels der

Empfindungen (die von außen erzeugt wer-den), und das sich gleichwohl doch muß allgemeinmittheilen lassen, kann nichts anders, als die Propor-tion der verschiedenen Grade der Stimmung Span-nung) des Sinns, dem die Empfindung angehört, d. l.den Ton desselben, betreffen; und in dieser weitlauftigenBedeutung des Worts kann sie in das künstliche Spielder Empfindungen des Gehörs und der des Gesichts, mit-hin in Musik und Farbenkunst, eingetheilt werden.Es ist merkwürdig: daß diese zwey,Sinne, außer derEmpfänglichkeit für Eindrücke, so viel davon erforder-lich ist, um von äußern Gegenständen, vermittelst ihrer,Begriffe zu bekommen, noch einer besondern damit ver-bundenen Empfindung fähig sind, von welcher man nichtrecht ausmachen kann, ob sie den Sinn, oder die Re-flexion zum Grunde habe; und daß diese Affectibilitatdoch bisweilen mangeln kann, obgleich der Sinn übri-gens, was seinen Gebrauch zum Erkenntniß der Objectebetrist, gar nicht mangelhaft, sondern wohl gar vorzüg-

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