214 - Erster Theil.
Lehrgedichte, einem Oratorium sich mit der Schön-heil vereinigen; und in diesen Verbindungen ist die schöneKunst noch künstlicher; ob aber auch schöner (da sich somannichfaltige verschiedene Arten des Wohlgefallens ein-ander durchkreuzen), kann in einigen dieser Falle bezwei-felt werden. Doch in aller schönen Kunst besteht dasWesentliche in der Form, welche für die Beobachtungund Beurtheilung zweckmäßig ist, wo die Lust zugleichCultur ist und den Geist zu Ideen stimmt, mithin ihnmehrerer solcher Lust uud Unterhaltung empfänglichmacht; nicht in der Materie der Empfindung (dem Reizeoder der Rührung), wo es bloß auf Genuß angelegt ist,welcher nichts in der Idee zurücklaßt, den Geist stumpf,den Gegenstand nach und nach anekelnd, und das Ge-müth, durch das Bewußtseyn seiner im Urtheile derVernunft zweckwidrigen Stimmung, mit sich selbst un-zufrieden und launisch macht.
Wenn die schönen Künste nicht, nahe oder fern, mitmoralifchen Ideen in Verbindung gebracht werden, dieallein ein felbstständiges Wohlgefallen bey sich führen, soist das letztere ihr endliches Schicksal. Sie dienen als-dann nur zur Zerstreuung, deren man immer desto mehrbedürftig wird, als man sich ihrer bedient, um die Unzu-friedenheit des Gemüths mit sich selbst dadurch zu ver-treiben, daß man sich immer noch unnützlicher uud mitsich selbst unzufriedener macht. Überhaupt sind dieSchönhcitcn der Natur zu der ersteren Absicht am zu-