Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 215
traglichsten, wenn man früh dazu gewohnt wird, sie znbeobachten, zu beurtheilen, und zu bewundern»
§- 5Z-
Vergleichttng des ästhetischen Werths derschönen Künste untereinander.
Unter allen behauptet die Dichtkunst (die fastgänzlich dem Genie ihren Ursprung verdankt, und amwenigsten durch Vorschrift, oder durch Beyspiele geleitetseyn will) den obersten Rang. Sie erweitert das Ge-müth dadurch, daß sie die Einbildungskraft in Freyheitsetzt, und innerhalb den Schranken eines gegebenen Be-grifs, unter der unbegranzten Mannichfaltigkeit mög-licher damit zusammenstimmender Formen, diejenigedarbietet, welche die Darstellung desselben mit einer Ge-dankenfülle verknüpft, der kein Sprachausdruck völligadäquat ist, und sich also ästhetisch zu Ideen erhebt. Siestärkt das Gemüth, indem sie es sein freyes, selbstthäti-ges und von der Naturbestimmung unabhängiges Ver-mögen fühlen läßt, die Natur, als Erscheinung, nachAnsichten zu betrachten und zu beurtheilen, die sie nichtvon selbst, weder für den Sinn noch den Verstand inder Erfahrung darbietet, und sie also zum Behuf undgleichsam zum Schema des Übersinnlichen zu gebrauchen.Sie spielt mit dem Schein, den sie nach Belieben be-wirkt, ohne doch dadurch zu betrügen; denn sie erklartihre Beschäftigung selbst für bloßes Spiel, welches
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