218 Erster Theil.
Nach der Dichtkunst würde ich, tvetM es UMReiz und Bewegung des Gemüths zu thun ist,
diejenige, welche ihr unter den redenden am nächstenkommt und sich damit auch sehr natürlich vereinigenlaßt, nämlich die Tonknnst, setzen. Denn, ob siezwar durch lauter Empfindungen ohne Begriffe spricht,mithin nicht, wie die Poesie, etwas zum Nachdenkenübrig bleiben läßt, so bewegt sie doch das Gemüth man-nichfaltiger, und, obgleich bloß vorübergehend, dochinniglicher; ist aber freylich mehr Genuß als Cultur (dasGedankenspiel, welches nebenbei) dadurch erregt wird, istbloß die Wirkung einer gleichsam mechanischen Associa-tion); und hat, durch Vernunft beurtheilt, wenigerWerth, als jede andere der schönen Künste. Daher ver-langt sie, wie jeder Genuß, öftern Wechsel, und haltdie mehrmalige Wiederholung nicht aus, ohne Über-druß zu erzeugen. Der Reiz derselben, der sich so allge-
vder auch wirklich gut seyn, als sie wollen), gar keinerAchtung würdig. Auch erhob sie sich nur, sowohl in Athen »als in Rom , zur höchsten Stufe zu einer Zeit, da der Staatseinem Verderben zueilte und wahre patriotische Denkungs-art erloschen war. Wer, bey klarer Einsicht in Sache», dieSprache nach deren Reichthum und Reinigkeit in seiner Ge-walt hat, und, bey einer fruchtbaren zur Darstellung sei«ner Ideen tüchtigen Einbildungskraft, lebhaften Herzens-antheil am wahren Guten nimmt, ist der vir bonus öi-en-Zipericu-, der Redner ohne Kunst, aber voll Nachdruck, wieihn Cicero haben will, ohne doch diesem Ideal selbst immertreu geblieben zu seyn.