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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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219
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 219

mein mittheilen laßt, scheint darauf zu beruhen: daßjeder Ausdruck ier Sprache im Zusammenhange einenTon hat, der dem Sinne desselben angemessen ist; daßdieser Ton mehr oder weniger einen Affect des Sprechen-»den bezeichnet und gegenseitig auch im Hörenden hervor-bringt, der denn in diesem umgekehrt auch die Idee er«regt, die in der Sprache mit solchem Tone ausgedrücktwird; und daß, so wie die Modulation gleichsam eineallgemeine jedem Menschen verstandliche Sprache derEmpfindungen ist, die Tonkunst diese für sich allein inihrem ganzen Nachdrucke, nehmlich als Sprache der Af-fecten ausübt, und so, nach dem Gesetze der Association,die damit natürlicher Weise verbundenen ästhetischenIdeen allgemein mittheilet; daß aber, weil jene ästheti-schen Ideen keine Begriffe und bestimmte Gedanken sind,die Form der Zusammensetzung dieser Empfindungen(Harmonie und Melodie) uur, statt der Form einerSprache, dazn dienet, vermittelst einer proportionirtenStimmung derselben (welche, weil sie bc» Tönen aufdem Verhältniß der Zahl der Luftbebungen in derselbenZeit, sofern die Töne zugleich oder auch nach einanderverbunden werden, beruht, mathematisch unter gewisseRegeln gebracht werden kann), die ästhetische Idee eineszusammenhangenden Ganzen einer unnennbaren Gedan-kenfülle, einem gewissen Thema gemäß, welches den indem Stücke herrschenden Affect ausmacht, auszudrücken.An dieser mathematischen Form, obgleich nicht durch be-