Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 22 r
düngen spielt. Die bildenden Künste gehen ihr also indiesem Betracht weit vor; denn, indem sie die Einbil-dungskraft in ein freyes und doch zugleich dem Verständeangemessenes Spiel versetzen, so treiben sie zugleich einGeschäft, indem sie ein Product zu Stande bringen,welches den Verstandesbegriffen zu einem dauerhaftenund für sich selbst sich empfehlenden Vehikel dient, dieVereinigung derselben mit der Sinnlichkeit und so gleich-sam die Urbanität der obern Erkenntnißkrafte zu beför-dern. Beiderlei) Art Künste nehmen einen ganz verschie-denen Gang: die erstere von Empfindungen zu unbe-stimmten Ideen; die zweyte Art aber von bestimmtenIdeen zu Empfindungen. Die letztern sind von blei-bendem, die erster» nur von transitorischem Ein-drucke. Die Einbildungskraft kann jene zurückrufen undsich damit angenehm unterhalten; diese aber erloschenentweder gänzlich, oder, wenn sie unwillkürlich von derEinbildungskraft wiederholt werden, sind sie uns eherlästig als angenehm. Außerdem hangt der Musik eingewisser Mangel der Urbanität an, daß sie, vornehm-lich nach Beschaffenheit ihrer Instrumente, ihren Einflußweiter, als man ihn verlangt (auf die Nachbarschaft),ausbreitet, und so sich gleichsam aufdrangt, mithin derFreyheit andrer, außer der musikalischen Gescllfchaft, Ab-bruch thut; welches die Künste, die zu den Augen reden,nicht thun, indem man seine Augen nur wegwenden darf,wenn man ihren Eindruck nicht einlassen will. Es ist