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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Erster Theil.

hiemit fast so, wie mit der Ergötzung durch eineu sichweit ausbreitenden Geruch bewandt. Der, welcher seinparfümirtes Schnupftuch aus der Tasche zieht, traktirtalle um und neben sich wider ihren Willen, und nöthigtsie, wenn sie athmen wollen, zugleich zu genießen; da-her es auch aus der Mode gekommen ist

Unter den bildenden Künsten würde ich der Maleret)den Vorzug geben: theils weil sie, als Zeichnungskunst,allen übrigen bildenden zum Grunde liegt; theils weilsie weit mehr in die Region der Ideen eindringen, undauch das Feld der Anschauung, diesen gemäß, mehrerweitem kann, als es den übrigen verstattet ist.

Anmerkung.

Zwischen dem, rvas bloß in der Beurtheilung ge-fällt, und dem, was vergnügt (in der Empfindung ge-fällt), ist, wie wir oft gezeigt haben, ein wesentlicher Un-terschieb. Das letztere ist etwas, welches man nicht so, wiedas erstere, jedermann ansinnen kann. Vergnügen (dieUrsache desselben mag immerhin auch in Ideen liegen) scheintjederzeit in einem Gefühl der Beförderung des gefammtenLebens des Menschen, mithin auch des körperlichen Wohlbe»

*) Diejenigen, welche zu den häuslichen Andachtsübungsnauch das Singen geistlicher Lieder empfohlen haben, bedach-ten nicht, daß sie dem Publikum durch eine solche lärmende(eben dadurch gemeiniglich pharisäische) Andacht eine große.Beschwerde auflegten, indem sie die Nachbarschaft entwedermit z» singen oder ihr Gedankengeschäft niebmulegen,thigten.