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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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223
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 22z

fmdens, d. i. der Gesundheit, zu bestehen; so daß EpKur,der alles Vergnügen im Grunde für körperliche Empfindungauegab, sofern vielleicht nicht Unrecht habe» mag, und sichnur >elbst mißverstand, wenn er das intellectuelle und selbstpracciscke Wohlgefallen zu den Vergnügen zählte. Wennman den letztern Unterschied vor Augen hat, so kann mansich erklären, wie ein Vergnügen dem, der es empfindet,selbst mißfallen könne (wie die Freude eines dürftigen aberwohldenkenden Menschen über die Erbschaft von seinem ihnliebenden aber kargen Vater), oder wie ein tiefer Schmerzdem, der ihn leidet, doch gefallen könne (die Traurigkeiteiner Wittwe über ihres verdienstvollen Mannes Tod), oderwie ein Vergnügen obenein noch gefallen könne (wie das anWissenschaften, die wir treiben), oder ein Schmerz (z. B.Haß, Neid und Nachgierde) uns noch dazu mißfallen könne.Das Wohlgefallen oder Mißfallen beruht hier auf der Ver-nunft, und ist mit der Billigung oder Mißbilligungeinerley; Vergnügen und Schmerz aber können nur auf demGefühl oder der Aussicht auf ein (aus welchem Grunde esauch sey) mögliches 5Vohl- oder Übelbefinden beruhen.

Alles wechselnde freye Spiel der Empfindungen (diekeine Absicht zum Grunde haben) vergnügt; weil es dasGefühl der Gesundheit befördert: wir mögen nun in derVernunftbeurtheilung an seinem Gegenstande und selbst andiesem Vergnügen ein Wohlgefallen haben oder nicht; unddieses Vergnügen kann bis zum Affect steigen, obgleich wiran dem Gegenstande selbst kein Interesse, wenigstens keinsolches nehmen, das dem Grade des letztern proportionirtwäre. Wir können sie in Glücksspiel, Tonspiel, undGedankenspiel eintheilen. Das erste fordert ein Interesse,es sey der Eitelkeit oder des Eigennutzes, welches aber beyweitem nicht so groß ist, als das Interesse an der Art, wie