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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
224
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Erster Theil.

wir es uns zu verschaffe» suchen; das zweyte bloß denWechsel der Empfindungen, deren jede ihre Beziehungauf Asseet, aber ohne den Grad eines AffcctS hat, undästhetische Ideen rege macht; das dritte entspringt bloß ausdem Wechsel der Vorstellungen, in der Urtheilskrast, wo«imrch zwar kein Gedanke, der irgend ein Interesse bey sichführte, erzeugt, das Gemüth aber doch belebt wird.

Wie vergnügend die Spiele seyn müssen, ohne daß mannöthig hätte interessirte Absicht dabsy zum Grunde zu legen,zeigen alle unsere Abendgesellschafren; denn ohne Spiel kannsich beynahe keine unterhalten. Aber die Affecten der Hof-mmg, der Furcht, der Freude, des Zorns, des Hohns, spie-len dabey, indem sie jeden Augenblick ihre Rolle wechseln,und sind so lebhaft, daß dadurch, als eine innere Motion,das ganze LebensgeschSft im Körper befördert zu seyn scheint,wie eine dadurch erzeugte Munterkeit des Gemüths es be-weist, obgleich weder etwa« gewonnen noch gelernt worden.Aber da das Glücksspiel kein schönes Spiel ist, so wollenwir es hier bey Seite sehen. Hingegen Musik, und Stofzum Lachen, sind zwcyerley Arten des Spiels mit ästhetischenIdeen, oder auch Verstandesvorftellungen, wodurch amEnde nichts gedacht wird, und die bloß durch ihren Wechsel,und dennoch lebhaft vergnügen können; wodurch sie ziemlichklar zu erkennen geben, daß die Belebung in beiden bloßkörperlich sey, ob sie gleich von Ideen des Gemüths erregtwird, und daß das Gefühl der Gesundheit, durch eine je-nem Spiele correspcndirende Bewegung der Eingeweide,das ganze für so fein und geistvoll gepriesene Vergnügeneiner aufgeweckten Gesellschaft ausmacht. Nicht die Beur-theilung der Harmonie in Tönen oder Witzeinfällen, die mitihrer Schönheit nur zum nothwendigen Vehikel dient, son-dern das beförderte Lebensgeschäft im Körper, der Affett der

die