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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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225
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Critik der ästhetischen Urtheilskrast. 225

die Eingeweide und das Zwerchfell bewegt, mit einem Wortedas Gefühl der Gesundheit (welche sich ohne solche Vcran,lassung sonst nicht fühlen läßt), machen das Vergnügen aus,welches man daran findet, daß man dem Körper auch durchdie Seele bcykommen und diese zum Arzt von jenem brau,chcn kann.

In der Musik geht dieses Spiel von der Empfindungdes Körpers zu ästhetischen Ideen (der Objecte für Werten),von diesen alsdann wieder zurück, aber mit vereinigter Kraft,auf den Körper. Zin Scherze (der eben sowohl wie jeneeher zur angenehme», als schönen Kunst gezählt zu werdenverdient) hebt das Spiel von Gedanken an, die insgesammt,sofern sie sich sinnlich auedrücken wollen, auch den Körperbeschäftigen; und, indem der Verstand in dieser Darstellung,worin er das Erwartete nicht findet, plötzlich nachläßt, sofühlt man die Wirkung dieser Nachlassuug im Körper durchdie Schwingung der Organen, welch- die Herstellung ihresGleichgewichts befördert und auf die Gesundheit einen wohl,thätigen Einfluß hat.

Es muß in allem, was ein lebhaftes erschütterndes La-chen erregen soll, etwas Widersinniges sei)n (woran also derVerstand an sich kein Wohlgefallen finden kann). Das La,chen ist ein Affecr aus der plötzlichen Verwandlungeiner gespannten Erwartung in LTichts. Eben dieseVerwandlung, die für den Verstand gewiß nicht erfreulichist, erfreuet doch indtrcct auf einen Augenblick fehr lebhaft.Also muß die Ursache in dem Einflüsse der Vorstellung aufden Körper und dessen Wechselwirkung auf das Gemüth be,stehen; und zwar nicht, sofern die Vorstellung objectiv einGegenstand des Vergnügens ist (denn wie kann eine ge-täuschte Erwartung vergnügen?), sondern lediglich dadurch,Aanrs Crir. d. Mrheilskr. P