Critik der ästhetischen Urteilskraft. 227
Vermögen In Waaren nach Europa zurückkehrend, in einen»schweren Sturm alles über Bord zu werfen genöthigt wurde,und sich dermaßen grämte, daß ihm darüber in derselbenNachc diepernke grau ward; so lachen wir, und es machtum- Vergnügen, weil wir unsern eignen Mißgrif nach einemsür uns übrigens gleichgültigen Gegenstande, oder vielmehrunsere verfolgte Zdee, wie einen Balh noch eine Zeitlanghin, und herschlagcn, indem wir bloß gcmevnt sind ihn zugreifen und fest zu halten. Es ist hier nicht die Abfertigungeines Lügners oder Dummkopfs, welche das Vergnügen er,weckt; denn auch sür sich würde die letzlere mit angcnom>-menem Ernst erzählte Geschichte eine Gesellschaft in ein hebles Lachen versetzen; und jenes wäre gewöhnlichermaßen auchder Aufmerksamkeit nicht werth.
Merkwürdig ist: daß in allen solchen Fällen der Spaßimmer etwas in sich entHallen muß, welches auf einen Au-genblick täuschen kann; daher, wenn der Schein in Nichtsverschwindet, das Gemüth wicser zurücksteht, um es mirihm noch einmal zu versuchen, und so durch schnell hintereinander folgende Anspannung und Abspannung hin- undzurückgeschnellt und in Schwankung geseht wird: die, weilder Absprung von dem, was gleichsam die Saite anzog,plötzlich (nicht durch ein allmähliches Nachlassen) geschah,eine Gemüthsbewegung und mit ihr harmonirende iniven«dige körperliche Bewegung verursachen muß, die unwillkür-lich fortdauert, und Ermüdung, dabei aber auch Aufhefte«rung, (die Wirkungen einer zur Gesundheit gereichendenMotion) hervorbringt.
Denn, wenn man annimmt, daß mit allen unsern Ge-danken zugleich irgend eine Bewegung in den Organen desKörpers harmonisch verbunden sey; so wird man so ziemlichbegreifen, wie jener plötzlichen Versetzung des Gemüths
P 2