Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 2Z zchen, ist: Über den Geschmack läßt sich nicht
disputiren. Das heißt so dich als: der Desiimmungs-grund eines Geschmacksurtheils mag zwar auch objectivseyn, aber er laßt sich nicht auf bestimmte Begriffe brin-gen; mithin kann über das Urtheil selbst durch Beweisenichts entschieden werden, obgleich darüber gar wohlund mit Recht gestritten werden kann. Denn Strei-ten und Disputiren sind zwar darin einerlei), daß siedurch wechselseitigen Widerstand der Urtheile Einhelligkeitderselben hervorzubringen suchen, darin aber verschieden,daß das letztere dieses nach bestimmten Begriffen alsBeweisgründen zu bewirken Host, mithin objectiveBegriffe als Gründe des Urtheils annimmt. Wo die-ses aber als unthunlich betrachtet wird, da wird dasDisputiren eben sowohl als unthunlich beurtheilt.
Man sieht leicht, daß zwischen diesen zwey Ge-meinörtern ein Satz fehlt, der zwar nicht sprichwörtlich imUmlaufe, aber doch in jedermanns Sinne enthalten ist,
nehmlich: über den Geschmack, laßt sich streiten
(obgleich nicht disputiren). Dieser Satz aber enthältdas Gegentheil des obersten Satzes. Denn worüber eserlaubt seyn soll zu streiten, da muß Hofnung seyn untereinander überein zu kommen; mithin muß man aufGründe des Urtheils, die nicht bloß Privatgülligkeithaben und also nicht bloß subjectiv sind, rechnen können;welchem gleichwohl jener Grundsatz: ein jeder hat
seinen eignen Geschmack, gerade entgegen ist.
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