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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
242
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Erster Theil.

So wie an einer Vernunftidee die <Linbildimgskraft,mit ihren Anschaumigs», den gegebenen Vcgrif nicht erreicht;so erreicht bey einer ästhetischen Idee der verstand, durchseine Begriffe, nie die ganze innere Anschauung der Einbil-dungskraft, welche sie mit einer gegebenen Vorstellung ver-bindet. Da nun eine Vorstellung der Einbildungekraft aufBegriffe bringen so viel heißt, als sie erponiren: so kanndie ästhetische Zdee eine inerponible Vorstellung derselben(in ihrem freyen Spiele) genannt werden. Ich werde vondieser Art Ideen in der Folge noch einiges auszuführen Ee«legcnheit haben; jetzt bemerke ich nur: daß beide Arten vonZdee», die Vernunftideen sowohl als die ästhetischen, ihrePrincipien haben müssen; und zwar beide in der Vernunft,jen: in den objectiven, diese in den subjectiven Principienihres Gebrauchs.

Man kann diesem zusolge Genie auch durch das Vcrvmögen ästhetischer Ideen erklären: wodurch zugleich derGrund angezeigt wird, warum in P'-obucten des Genie'Sdie Namr (des Subjects), nicht ein überlegter Zweck, derKunst (der Hervorbringung des Schonen) die Negcl giebt.Denn da das Schöne nicht nach Begriffen beurtheilt werdenmuß, sondern nach der zweckmäßigen Stimmung der Ein-bildungskraft zur Übereinstimmung mit dem Vermögen derBegriffe überhaupt; so kann nicht Negel und Vorschrift,sondern nur das, was bloß Narur im Subjecte ist, abernicht unter Regeln oder Begriffe gefaßt werden kann, d. t.das übersinnliche Substrat aller seiner Vermögen (welcheskein Verstandcsbegrif erreicht), folglich das, in Beziehungauf welches alle unsere Erkenntnißvermögen zusammen,stimmend zu machen, der letzte durch das Zntelltgtbie unse-rer Natur gegebene Zweck ist, jener ästhetischen aber unbe-dingten Zweckmäßigkeit in der schönen Kunst, die jedermann