Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244 Erster Theil.

dem gegebenen Bedingten unnachlaßlich das Unbedingte for-dert, welches sich doch nie finden läßt, wen» man das Sinn-liche, als zu den Dingen an sich selbst gehörig betrachtet,und ihm nicht vielmehr, als bloßer Erscheinung, etwas Über,sinnliches (das intelligible Substrat der Natur außer unsund in uns) als Sache --.>. sich selbst unterlegt. Da giebt esdann i) e>> ^ Antinomie der Vernunft in Ansehung destb»"^uschcn Gebrauchs des Verstandes bis zum Unbeding-ten hinauf'für das Erkenntnisvermögen; -) eine Anti-nomie der Vernunft in Ansehung des ästhetischen Gebrauchsder Urtheilskrast für das Gefühl der L.ust und Unlust;z) eine Antinomie in Ansehung des practischen Gebrauchsder an sich selbst gesetzgebenden Vernunft für das Begeh-rnngsvermögen: sofern alle diese Vermögen ihre oberePrincipien -» priori haben, und, gemäß einer unumgängli-chen Forderung der Vernunft, nach diesen Principien auchunbedingt müssen urtheilen und ihr Object bestimme»können.

Zn Ansehung zweyer Antinomieen, der des theoreti-schen und der des practischen Gebrauchs jener obern Er-kenntnißvennögen, haben wir die Unvermeidlichkeit der,selben, wenn dergleichen Urtheile nicht auf ein übersinnlichesSubstrat der gegebenen Objecte, als Erscheinungen, zurück-sehen, dagegen aber auch die Anflöslichr'eir derselben, so,bald das letztere geschieht, schon anderwärts gezeigt. WaSnun die Antinomie im Gebrauch der Urtheilskraft, gemäßder Forderung der Vernunft, und deren hier gegebene Auf,lösung bctrlfl: so giebt es kein anderes Mittel, derselben aus-zuweichen, als entrr-eder zu läugnen, daß dem ästhetische»Geschmacksurrheile irgend ein Princip xriori zum Grundeliege, daß aller Anspruch auf Nothwendigkeit allgemeinerBeystimmung grundloser leerer Wahn sey, und ein Ge,